Unglaublich online

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Internet früher ...Die Frühzeit des massentauglichen Internet ist eine Geschichte der Entbehrungen. Mir ist, als wäre es erst gestern gewesen, dass ich so um 2000 herum vor meinem nikotinfarbenen PC vom Ausmaß eines Hochofens saß, der keuchte und stöhnte wie Darth Vader mit Schnappatmung und mit dem ich mich über ein schnarchlahmes Modem ins Netz einwählte, das ich nach hoffentlich erfolgreicher Verbindung wie einen Götzen anbeten musste, selbige bitte nicht ungefragt wieder zu trennen.

War dem Modem eh egal. Das Modem war ein Arschloch. Diese plötzlichen Verbindungstrennungen, untermalt von einem schadenfrohen »Klack« waren ein Ärgernis, weil damals jede scheiß Einwahl sagenhafte vier Pfennig kostete. Das klingt nicht teuer, aber weil ich das pro Tag vier, fünf Mal machte, so ziemlich jeden Tag im Monat natürlich, ganz davon abgesehen, dass die stehende Verbindung seinerzeit ja auch noch minütlich knapp zwei Pfennig kostete (was schon wahnsinnig günstig war) und es für angefangene Minuten hinterher nichts zurückgab, bedeutete das am Monatsende vor allem eines: »Kannst du mir mal bitte erklären, warum wir wegen dir schon wieder so eine hohe Telefonrechnung haben?« Das Für-die-Schule-Argument zog dabei in meinem Fall irgendwann auch nur noch begrenzt, weil mir bald keiner mehr abnahm, dass man für akkurate Schulnoten jeden Monat Unsummen im Internet versurfen musste. Vorher ging's schließlich auch ohne. Ja gut, vorher ging's auch ohne das Rad, und trotzdem stünde der Autofahrer von Welt heute ohne Rad irgendwie ziemlich blöd vor seiner Karre rum.

Aber ganz im Ernst: Was machten wir eigentlich im Internet? Liebe Eltern der letzten Generation, natürlich haben eure Sprösslinge dieses komische Internet nicht für die Schule benötigt. Nicht nur, jedenfalls. Solange sich die Texte für die nächste Wandzeitung eins zu eins auch vom Bertelsmanns CD-ROM-Lexikon klauen ließen, reichte uns das. War deutlich bequemer, als sich extra ins Internet einzuwählen und dabei zuzuschauen, wie die langsamsten Ladebalken der Welt sich gemütlich wie ein Hundertjähriger mit Rollator von null auf hundert Prozent hochkrebsten, während die Seite sich aufbaute, als würde sie jemand mit Papier und Prittstift von Hand zusammensetzen. Die Lehrer damals kamen außerdem nicht mal mit einem Videorekorder klar, drum war keine Hausaufgabe der Welt darauf ausgelegt, dass man irgendwas aus diesem komischen Internet heraussuchte. Nein, also wenn wir schon ins Netz gingen, dann für die wichtigen Dinge des Lebens.

Um über Napster illegal Musik zu laden beispielsweise. Das mit der gestohlenen Musik war freilich nicht neu, schließlich hatten wir CDs vorher auch schon im Laden geklaut, aber mit dem Internet hatte sich dieser Prozess digitalisiert. Künstler, Plattenfirmen und der nun nicht mehr benötigte Hausdetektiv fanden das vermutlich blöd, dafür freuten sich die Telefongesellschaft und die Verteiler von AOL-CDs. Und natürlich sämtliche Hersteller von CD-Brennern. CDs waren überhaupt prima: Im Gegensatz zu Kassetten gab's nie Bandsalat, und grundsätzlich gingen die Dinger eigentlich nur dann kaputt, wenn man sie an seine Freunde verlieh.

An und für sich war das »Saugen« von Musik in der Anfangszeit allerdings eine ziemlich zähe Angelegenheit. In einer Welt, in der eine simple Webseite ohne Bewegtbildgedöns – denn das gab es damals fast gar nicht – drei Minuten zum Laden benötigte, schaffte es auch die neuste Metallica-Single nicht schneller auf die Festplatte. Und wenn dann die Gegenseite, also der Blödmann, von dem man das Lied gerade kopierte, kurz vor Ende die Verbindung kappte, bekam man glatt Mordgelüste, denn nun musste man von vorn beginnen. Selbst machte ich mir daraus natürlich auch gerne mal einen Spaß. Hahaha, du willst dieses Lied haben, ja? Haha, nur noch vier Prozent? Drei? Zwei? Eins? Nope, Freundchen! Ein Klick, und alles war umsonst. Die Arbeit einer ganzen Stunde – verbrannte Erde aus unbrauchbaren Dateihappen.

Abgesehen von den hohen Telefonrechnungen fanden zumindest die meisten Eltern das aber ganz toll, was wir so machten. Sie kapierten nicht, was unsereiner da tat, wenn wir wie der Angestellte des Monats im professionellen Presswerk eine Silberscheibe nach der anderen im Brenner verschwinden ließen, um sie hinterher fein säuberlich mit Edding oder sogar bedruckten Labels zu verzieren und auf einen großen Stapel zu legen, der hinterher an Freunde oder andere Interessenten verteilt wurde – gegen Bares natürlich. Am Computer zu hocken war aus Elternsicht besser, als draußen heimlich eine Schachtel Kippen nach der anderen wegzuziehen. Nicht, dass dafür keine Zeit mehr gewesen wäre, aber ... Elternlogik halt.

Am Computer sitzen hieß für Eltern, wenn man nicht gerade zockte, dass man was lernte. Was für die eigene Zukunft tat. Für meine Mutter galt die für sie logische Devise: Beschäftigt der Junge sich mit dem Computer, macht er später mal was Anständiges und muss nicht am Fließband Plastikpflanzen zusammenkleben. Zwar klebe ich heute beruflich tatsächlich keine Plastikpflanzen zusammen, hätte ich mich damals beim Schwarzkopieren aber erwischen lassen, dann hätte ich vielleicht im Knast welche zusammengeklebt.

Um 2000 herum war auch an das Herunterladen von Serien und Filmen noch gar nicht zu denken. Gott, diese gigantischen Datenmengen! Ganze Filme, pah! Die passten doch gar nicht durch die Leitung. Und dann die Kosten! Einen neuen Film direkt in den USA zu kaufen – per Selbstabholung – wäre billiger gewesen. Mein Neid galt seinerzeit den paar Freunden mit teurer ISDN-Leitung. Wessen Eltern einen entsprechenden Vertrag bei der Deutschen Telekom hatten, der surfte nicht nur bedeutend schneller als ich mit meinem 56K-Miniaturpanzer, sondern durfte an gesamtdeutschen Feiertagen auch noch umsonst telefonieren und damit eben auch ... UMSONST SURFEN!!!

Ein digitales Eldorado tat sich für jene Glücklichen auf. Den Luxus nutzte einer meiner Freunde seinerzeit, um in einem fein abgestimmten Projekt über mehrere Sonntage hinweg Gina-Wild-Filme herunterzuladen. Gina Wild – die Älteren werden sich erinnern – war um die Jahrtausendwende herum neben Goethe und Schiller eine der großen deutschen Kulturfiguren (»Jetzt wird's schmutzig« – ein Drama in sieben Akten) und gehörte definitiv auf selbstgebrannte CD-ROMs, die es auf dem Schulhof zu verteilen galt, wenn man mal neue Freunde brauchte. Alle anderen mussten sich mit den unzähligen Internetseiten voller, äh, Aktbilder zufrieden geben, die einem beibrachten, was mit Körperöffnungen anatomisch gesehen noch so alles möglich ist. Ja, auch dafür brauchten wir das Internet, wenn wir uns im Zimmer einschlossen, um in Ruhe für die Schule zu lernen.

Heute kommt man an Filme und Musik viel einfacher und deutlich ungefährlicher. Es gibt tolle Online-Dienste wie Spotify. Will ich eine neue Platte anhören, kann ich das da tun. Jederzeit, immer wieder und das alles auch noch für umme und ganz legal. Ähnlich dekadent verhält es sich mit Filmen und Serien: Dank Netflix weiß ich inzwischen, dass nach »Akte X« doch nicht alle Serien Grütze waren. Dafür weiß ich auch, dass »Akte X« sehr wohl Grütze war. Ja gut, will man sich aktuelle Folgen der Serie »Game of Thrones« anschauen, dann ist's immer noch wie vor zwanzig Jahren, weil die Rechteinhaber irgendwie zu glauben scheinen, sie könnten am meisten verdienen, wenn wirklich niemand ihre Serie anschauen kann. Nicht fragen, ist halt so. Die Vertriebschefs haben vermutlich im Jahr 1850 erfolgreich BWL studiert und glauben, digitaler Vertrieb mache impotent.

Aber gut, es waren unschuldige Zeiten damals, als man noch das Gefühl hatte, das ganze Internet würde von Dampfmaschinen angetrieben. Heute gibt es den Spaß fast nur noch drahtlos, ohne fiepsendes Modem, das man in die Telefondose stöpseln muss, das die Leitung blockiert und so die Familie vom Rest der dauernd anrufenden Verwandtschaft abklemmt. WLAN gab es damals ja nicht. Und als es das endlich doch gab, war es beschissen: unsicher und die Verbindung schwankte schlimmer als Johnny Depp auf 'ner Pressekonferenz. Ein sehr cooler Trick war, zur Verbesserung der Verbindung etwas Alufolie um die Antenne des Routers zu wickeln. Das sah ziemlich nerdig aus und half kein bisschen. Leider.

Wie sich das geändert hat! Heute besteht die Luft zum Atmen wahrscheinlich zu fünfzig Prozent allein aus WLAN. Einmal zu tief Luft geholt, schon hat man vielleicht den viel versprechenden Online-Flirt des Nachbarn verschluckt. So ändern sich die Zeiten: Früher bekam man beim Einzug in eine WG zuerst den Schlüssel, heute fragt man nach dem WLAN-Passwort. Alles kein Thema mehr. Wer heute online sein will, kann das problemlos auch auf dem Klo sitzend tun, ohne den PC auf einem Rollwagen ins Bad karren und sich überlegen zu müssen, wie er die Verlängerungsschnüre durch die Bude legen soll. Früher druckte ich mir interessante Webseiten aus und nahm sie zum Lesen mit aufs Örtchen, heute machen das nur noch CDU-Politiker. Sorgenfrei auf dem Lokus hocken und die Zeit versurfen, während der eigene Hintern allmählich mit der Klobrille fusioniert, das wäre damals undenkbar gewesen.

Und auch der Begriff des Surfens an sich hat sich verändert: Erkundete man früher noch mutig auch die finstersten Ecken des World Wide Web (Ja, natürlich möchte ich den Sexy-Teens-Newsletter täglich kostenlos an meine Mailadresse geschickt bekommen, schließlich ist er KOSTENLOS!), besteht dieser Mut heute weitestgehend darin, nicht nur die Facebook-Timeline rauf und runter zu scrollen, sondern auch mal auf das Profil von Leuten zu klicken, die noch nicht in der eigenen Freundesliste vor sich hin gammeln.

Aus dem harten Scrollrad früher Tage ist eine verweichlichte Wischgeste geworden. Was uns früher beim Schleppen kaputte Knie und Rückenschmerzen bescherte, stecken wir nun in bunte Hüllen und werfen es in die Handtasche. Smartphones mit Dauer-Online-Zugang sind allgegenwärtig. Wir haben unsere digitale Unschuld verloren, unseren Entdeckergeist an Steve Jobs und Mark Zuckerberg verkauft. Man könnte weinen, wäre das nicht alles so ungemein praktisch. So schön bequem. Die Welt steht uns so viel offener als früher, es gibt keine Grenzen mehr. Wer braucht digitalen Survivalurlaub wie früher, wenn er all inclusive mit Klimaanlage haben kann? Ich muss nur mein Telefon in die Hand nehmen, den Browser öffnen und ... oh ... Mist, Datenvolumen ist aufgebraucht.

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Ein paar Gedanken zum iPhone 6: Diese ganze iPhone-Biegerei derzeit geht mir gehörig auf den Keks. Nur weil irgendein Heini, der sich mittels zu eng sitzender Krawatte hirntot gemacht hat, meinte, das bügelbrettgroße iPhone 6 Plus müsse er unbedingt in seiner Anzughosentasche herumtragen, redet die IT-Welt seit Tagen von nichts anderem mehr. Wahrscheinlich hat der Kerl das Ding einfach verbogen, als er sich schön gemütlich gegen den Kaffeetisch lehnte, wer weiß?

Dass das iPhone 6 sich überhaupt verbiegen lässt, ist natürlich fatal für so ein Gerät, ganz klar. Genauso klar ist aber, dass das Ding sich trotzdem verkauft wie geschnitten Brot. Obwohl (oder weil) es so groß ist, obwohl es aus Butter zu sein scheint und obwohl es so dermaßen hässlich ist, dass es fast aus Samsungs koreanischer Klonfabrik stammen könnte.

Das Ding sieht schlicht scheußlich aus, man kann es drehen und wenden, wie man will, es wird nicht besser. Was sollen diese hässlichen Antennenlinien auf der Rückseite des iPhone 6, die aussehen wie drübergespannte Unterhosengummis? Was soll dieser Kamerapickel, der so bedrohlich aus dem Gehäuse ragt wie ein aufkommendes Unheil? Ich will nicht sagen, unter Steve Jobs hätte es so was nicht gegeben, aber unter Steve Jobs hätte es so was nicht gegeben.

Und das Traurigste ist, dass es irgendwie keinen zu interessieren scheint, dass das Teil so grässlich aussieht. Wie gesagt, es verkauft sich ja trotzdem wieder wahnsinnig gut, und statt mal die mangelnde Eleganz des Gerätes zu beklagen, stürzt sich alle Welt auf die Tatsache, dass das iPhone 6 sich knicken lässt wie eine Tafel Ritter Sport. Vor allem sein großer Bruder. Überhaupt: Was soll diese absurde Größe? Würde man in James Camerons »Titanic« die Tür, auf der Kate Winslet am Ende des Films hockt, durch ein iPhone 6 Plus austauschen, hätte Leo auch noch locker Platz drauf gehabt. Ach ...

Eigentlich könnte es mir ja egal sein. Ich kauf das Ding eben einfach nicht, basta. Was mich aber bedenklich stimmt: Erinnert sich noch jemand daran, wie gruselig Computer und Telefone aussahen, bevor Apple beides mächtig aufgehübscht hat? Klar, da waren auch Unsitten dabei, wie bspw. nicht tauschbare Akkus, etc. pp. Aber letztlich ist es eben doch so: Wäre all das nicht gewesen, säßen wir vielleicht immer noch vor nikotingelben Kästen und würden mit Nokia-Knochen telefonieren, die kaum zu bedienen wären, sich dafür aber durch ihre Wuchtigkeit durch die Hosentasche fräßen (mir tatsächlich passiert).

Wenn jetzt also Apple-Geräte immer hässlicher werden (Man denke an die Apple Watch, dieses Brikett von einer Uhr!), müssen wir dann bald wieder damit leben, dass elektronische Endgeräte aussehen wie ein Hosentaschen-Quasimodo, weil keine andere Firma schöne Geräte hinbekommt, ohne in Cupertino zu spicken? Ist ja leider so. Werden wir uns wieder daran gewöhnen? Und warum ist das offenbar den meisten Menschen so egal? Ja ja, Luxussorgen, ich weiß schon.

Im Waka-Waka-Land wird gejodelt - Bildquelle: pixabay.comShakira hat jetzt einhundert Millionen Freunde, hab ich gerade gelesen. Das ist eine Eins mit ganzen acht Nullen. Würde man alle Deutschen verpflichten, Shakira zu folgen, käme man nicht auf diese Zahl. Okay, nähme man alle illegalen Einwanderer und Schwarzarbeiter hinzu, dann käme man wahrscheinlich so uuungefähr auf ... das Doppelte oder so. Aber in dem Moment, in dem ich das hier schreibe, hat diese Frau vielleicht auch schon dreihundert Millionen Freunde. Da wäre es dann schon schwerer, was Repräsentatives hierzulande zu finden.

Ich dachte ja im ersten Moment, wow, das ist echt super, dass die Shakira so viele Freunde bei Facebook hat. Bzw. sind es eher Leute, die ihr folgen, ihre Fans quasi, weil kein Mensch bei Facebook so viele Freunde haben kann, weil man maximal 5.000 Freunde oder so haben darf, und wenn irgendwer am meisten Freunde hätte, dann wäre das sowieso Mark Zuckerberg, weil der gar nicht zulassen würde, dass irgendjemand mehr Freunde hat als er. Im zweiten Moment dachte ich dann, äh, wer ist eigentlich diese Shakira? So ganz vage hatte ich da noch so eine Frau mit nassem Haar vor Augen, die im Musikvideo irgendein Liedchen trällerte, an das sich heute aber niemand mehr erinnert, weil sie die ganze Zeit hypnotisch mit dem Hintern wackelte und eh keiner woanders hinguckte, geschweige denn -hörte. Dann fiel es mir ein: Das war doch die, die im Jahr 2010 die WM musikalisch gesehen versaute. Immer, wenn dieses »Waka Waka« irgendwo lief, hatte ich plötzlich komischen Schaum vor dem Mund und wollte irgendjemandem seine Vuvuzela rückwärts in den ... also so richtig tief rein jedenfalls, bis ... na egal.

Mann, Mann, was man mit so vielen Fans alles anstellen könnte, dachte ich dann, als ich diese Shakira erst mal richtig verortet hatte, wie man im Businesssprech so schön sagt. Zum Beispiel alle RTL-Zuschauer dazu bringen, abzuschalten. Muss man sich mal überlegen: Shakira postet, alle Leute sollen doch bitte, bitte RTL abschalten, und – klack – geht die Quote auf null runter. Da wäre dann Schluss mit »Familien im Brennpunkt« und »Die Schulermittler«. Belanglose Leute wie Jenny Elvers hätten keine Bühne mehr, da ginge eine ganze Fresskette vor die Hunde. Die wären so schnell pleite, da könnte Peter Zwegat gar nicht genug mit den Ohren schlackern. Also, sofern das überhaupt machbar wäre von der Shakira, weil bei RTL-Guckern weiß man ja nie. Erst neulich las ich was über die Seescheide. Das ist nicht etwa ein plötzlich während des Schwimmens im See unverhofft auftauchendes weibliches Geschlechtsorgan als Badeservice für angehende Männer mit Hormonüberschuss, sondern, äh, so was wie ein Tier. Und die Seescheide jedenfalls, die reist so durchs Wasser, bis sie einen tollen Platz zum Verweilen gefunden hat. Da wird sie schließlich sesshaft und ... frisst ihr Gehirn auf. Braucht sie ja auch nicht mehr, wenn sie erst mal sesshaft ist. So ähnlich ist es vermutlich auch mit RTL-Dauerguckern. Wenn man erst mal so richtig perfekt auf der Couch sitzt ... Na, und wenn dann die Kartoffelchips auch noch alle sind, dann kann man schon mal alternativ sein Hirn verputzen. Mit ein bisschen Salz geht das gut runter, und gebraucht wird es beim RTL-Gucken auch nicht mehr. Ob diese Leute dann noch auf die Shakira hören würden, das weiß ich nicht, weil ohne Hirn ist das gegebenenfalls auch etwas blöd. Aber probieren könnte man es ja mal.

Einen eigenen Staat könnte die Shakira so natürlich auch gründen. Einfach kurz mal posten: »Leute, lasst mal Staat gründen. Hab grad nix zu lesen da, Langeweile ätzt voll!!11!« Dann gingen die los, die hundert Millionen Leute, mit Fahnen, auf denen Shakira drauf ist, und dann würden die irgendwo in der Karibik eine unbewohnte Insel besetzen, die Riesenschildkröten verscheuchen und Shakiras großes, buntes »Waka-Waka-Land« ausrufen. Da könnte diese Frau den ganzen Tag ihre Lieder runterjodeln, jeder müsste ihre CDs kaufen, und es wäre immer einer da, der ihrem durch die Gegend tanzenden Waka-Wackelhintern frische Luft zufächelt. Und wehe, einer würde ihre Musik nicht mögen, da hieße es dann: Rübe ab! So wären es zwar nur noch neunundneunzig Millionen Follower, aber das macht den Kohl ja auch nicht fett.

Okay, nun muss ich zugeben – der eine oder andere wird es schon bemerkt haben – ich kann, was Shakira angeht, allenfalls mit Halbwissen von anno dunnemals glänzen. Und wirklich glänzen tut da auch nichts, das ist eher so matt wie ... Bonn oder so. Ja, Bonn ist doch ziemlich matt. Okay, also hier ein paar hastig recherchierte Fakten, schließlich hab ich ja quasi auch ’nen Bildungsauftrag. Shakira heißt in Wahrheit Shakira Isabel Mebarak Ripoll. Das wäre freilich viel zu lang. Wenn alle Follower das aussprechen würden, käme die kumulierte Zeit vermutlich in etwa auf das Alter des gesamten Universums, drum nur Shakira. Klingt ja auch viel besser. Fügte man hinter das erste »a« übrigens noch ein »r«, würde sogar ein prima Filmtitel fürs Abendprogramm bei Tele 5 draus, aber lassen wir das. Besagte Sha(r)kira (Ha ha ha! Okay, ich hör schon auf.) ist inzwischen 37 Jahre alt, immer noch 1,57m klein und mit Freund und Kind ausgestattet. Nach westlichen Maßstäben sieht sie blendend aus, und es soll auch Leute geben, die ihren Gesang mögen, der immer ein bisschen klingt, als hätte ein Jodler vor dem Auftritt die Nase zu tief in den Rumtopf gehalten. Aber alles Geschmackssache, klar. Hundert Millionen Leuten scheint das ja zu gefallen. Millionen Fliegen können schließlich nicht irren. Fraglich, ob das auch so wäre, wenn Shakira ein vierzigjähriger Mann wäre, sagen wir ein Bernd, genetisch gestraft mit Bierbauch und Halbglatze, gesanglich völlig talentfrei, dafür aber Choleriker vor dem Herrn und notorischer Quartalssäufer. Wenn Bernd jetzt ’ne Facebook-Seite hätte, wage ich mal zu bezweifeln, dass der auch auf hundert Millionen Fans käme. Find ich ganz schön unfair eigentlich dem armen Bernd gegenüber.

Aber zurück zu was Konstruktivem. Shakira jedenfalls, die könnte mal eben alle ihre Fans anweisen, Kriege grundsätzlich doof zu finden. Sie könnte vorschlagen, auch mal an die armen Kinder in Afrika zu denken, die nichts zu essen haben. Ganze Schurkenstaaten könnte sie im Alleingang zu Fall bringen – nur so zum Vergleich: Angela Merkel hat nur knapp 720.000 Fans, davon ließe sich nicht mal Oliver Geissen beeindrucken, und der wirkt eigentlich immer beeindruckt. Die Welt könnte Shakira jedenfalls insgesamt zu einem besseren Ort machen. Könnte ... Wären doch nur nicht so ziemlich alle Menschen dieser Welt, die bei jedem Scheiß fleißig den eigenen Daumen auf den Like-Button pressen, so was wie Seescheiden. Zumindest in diesem Akt an sich. Von so ’nem Like-Daumen allein ist nämlich noch kein Kind satt geworden. Und wenn dem Mark Zuckerberg dann doch irgendwann mal der Kragen platzt, weil er sich im Vergleich zu Shakira doch ganz schön wie ein Bernd fühlt, dann zieht der vielleicht den Stecker und schon wird’s zappenduster im Waka-Waka-Land.

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Irgendwann Anfang 2007 — es war eine Zeit, in der Dropbox und Konsorten noch nicht erfunden waren und die Bude noch nicht mit Ausweich-Computern vollgestopft war, sondern man (also ich) für gewöhnlich einen Computer besaß — hatte ich die Idee, meine kreativen Ergüsse auf einer eigenen Internetseite zu sichern. Nichts Großes, nichts wirklich Designtes oder so, einfach eine Sammelseite, eine Werkbank für meine Texte. Damals schrieb ich ausschließlich Gedichte, was sich dann über die Jahre (glücklicherweise) so’n bisschen verlor, dann aber nach meiner Vorliebe zur Prosa wiederkam, sodass ich heute quasi alles mal ausprobiere. Jedenfalls grassierte damals eigentlich die ständige Angst vor dem großen bösen Festplatten-Crash. Damit ich nach einem solchen wenigstens meine Textschäfchen im Trockenen haben würde, beschloss ich, das ganze Gedöns auf einem kleinen Blog unterzubringen.

Die Jahre gingen dahin, die Haare auch, und alles wurde anders, und nur der Musikgeschmack blieb derselbe. Heute liegen meine Texte längst in irgendwelchen Clouds verteilt, weg kommt da garantiert nichts mehr, und aus meiner Textablage ist eine ansehnliche kleine Seite zum Verweilen geworden (wie ich hoffe). Da ich gerade Urlaub habe, ein Projekt brauchte und Heimwerkerdinge nichts für meine zwei linken Pfoten sind, habe ich das ganze Ding auf ein neues Design umgestellt, angepasst, geschraubt und, tja, et voilà, das Ergebnis kann sich doch sehen lassen, find ich.*

geist-reich.blogspot.de* Das Theme ist natürlich nicht von mir. Ich habe ziemlich viel daran herumgeschraubt, was allerdings nur im Detail auffällt.

Neulich saßen wir im chicen Prenzlberg, eingeklemmt zwischen Saabs und Volvos, in einem neuen asiatischen Restaurant. Weil zwischen den Gängen 'ne Menge Wartezeit anfiel, wurde öfter mal das Smartphone gezückt. Wie das halt so ist, anno 2014.

Ein Freund ärgerte sich erst mal darüber, dass er trotz T-Mobile lediglich auf EDGE kam - Ladezeit: forever quasi. Damit kann man nicht surfen, das Einzige, was mit EDGE schnell geht, ist der Puls. Vor Ärger. Gut, vielleicht sind die Wände aus Blei, dachte ich, und probierte es mit meinem proletarischen E-Plus-Netz auch mal. 3G stand da.

Toll!

Gleich noch 'n Speed-Test hinterhergeschickt, vielleicht erreicht der Konnektivitätspenis ja neue Rekorde.

Und siehe da: 20 MBit!!!1!!11!!

Das ist, puh, schnell. Fast so schnell wie zu Hause. Zu Hause, wo ich eine echte Flatrate habe und das Internet leerlutschen kann, so lange ich möchte. Ohne Begrenzung auf maximal 500 Megabyte, wie's bei Mobilfunktarifen im dunkeldigitalen Deutschland so üblich ist.

500 Megabyte. Pro Monat ...

Na da drängt sich doch glatt 'ne kleine Rechnung auf: Wie lange lässt sich mit 20 MBit Downstream (also das, was ich tatsächlich herunterladen kann) eigentlich so surfen, bis ich gegen die Drosselmauer krache und auf prähistorisches Schneckennetz heruntergestuft werde?

Heise bietet da 'nen hübschen Rechner an, aber ich hab schon mal was vorbereitet:

20 MBit pro Sekunde, das ergibt im Dezimalsystem (bleiben wir der Einfachheit halber mal dabei) ca. 2,5 Megabyte pro Sekunde. Schnell, wie gesagt!

Bei maximal 500 MB Datenvolumen lässt sich ermitteln, indem man das Sümmchen durch 2,5 teilt, dass sich bei der gegebenen Geschwindigkeit von 20 MBit pro Sekunde ganze ...

... Trommelwirbel ...

... 200 Sekunden surfen lässt, bevor die Leitung erwürgt wird. 200 Sekunden, das sind ganze ... puh, 3,3 Minuten.

Auf ein neues Bier musste man an dem Abend jedenfalls länger warten.

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Ich hatte gerade einen gedanklichen Way-Back-Moment. Erinnert sich noch jemand an die Urzeiten des WWW? Nee, nicht die ganz frühen, als sich nur wahre Nerds mit Flaschenbödenbrillengläsern durch unverständliche Textwüsten klickten, sondern die, als die Telekom noch an die Börse und Manfred Krug mitging. Es war eine Zeit, in der ich gottseidank noch keine Aktien kaufen durfte und in der ich entdeckte, dass sich mit unserem 28K-Uraltmodem nicht nur Faxe verschicken ließen, sondern dass man sich mit dem Ding unter lautem Piepsgetröte auch problemlos ins Internet einwählen konnte.

Es war die Zeit, als Freischalt-Codes noch per Post kamen. Es war auch die Zeit der AOL-CDs, die jeder Klopapierrolle beilagen, jede Menge Gratisspaß im Netz versprachen und die doch immer von der Aura horrend hoher Monatsendabrechnungen umgeben waren, weil man das Kleingedruckte nicht gelesen hatte. Und es war die Zeit unsäglich peinlicher Fernsehwerbungen. Warum die besagte CD-ROM-Schleuder ausgerechnet Lispelkünstler Boris Becker für mehr Akzeptanz des eigenen Internet-Angebots werben ließ, verstehen bis heute vermutlich nur die ehemaligen AOL-Marketing-Genies, wenn sie noch mal dasselbe Kraut wie damals rauchen. »Daf if ja einfach!«, sagte der Tennisheini mit dem Zeugungsdrang im Spot und glotzte grenzdebil auf einen Röhrenmonitor. Sollte wohl so viel sagen wie: Ja also wenn sogar der blöde Becker das rafft, dann krieg ich das ja wohl auch noch gebacken!

Ich verwendete niemals eine der AOL-CDs, starrte aber dennoch immer sehnsüchtig auf die versprochenen Gratisstunden. Denn ich wählte mich seinerzeit mittels sogenannter Call-by-Call-Anbieter ein. Das waren windige Service-Provider, die meisten heute zurecht pleite und begraben, die zu mehr oder minder geringen Pfennigbeträgen kleckerweise Internet im Gehäuseschneckentempo anboten.

An meinen ersten Netzgehversuch erinnere ich mich noch ganz genau: »Mutti, ich bin im Internet!«, rief ich die Treppe hinunter. STAMPF STAMPF STAMPF, mit nicht mehr als drei ausladenden Godzilla-Schritten hatte meine Mutter die fünfzehn Stufen der Treppe genommen und stand in meinem Zimmer, noch ehe ich meinen Satz richtig beendet hatte. »Und jetzt? Müssen wir doch alles bezahlen, oder?«, schrie sie mit schreckgeweiteten Augen. Für meine Mutter war klar, sobald man ins Internet geht, passt die Endsumme der Telefonabrechnung auf keine DIN-A4-Seite mehr. Später war es dasselbe mit Internetkaufhäusern: Sobald man irgendwo was bestellte, war völlig selbstverständlich, dass hinterher das ganze Girokonto geplündert war. So war sie, meine Mutter. Und heute bestellt sie sogar ihre Topflappen bei Amazon.

»Geh nicht zu oft ins Internet«, war in der Folgezeit immer so eine Warnung meiner Mutter. Ein komplettes Verbot konnte sie nicht durchboxen. Meinem Argument »Aber ich brauch das doch für die Schule!« konnte sie nichts entgegensetzen. Gute Noten waren eben mit Geld nicht aufzuwiegen. Und so teilte ich mir meine Internetzeit gut ein. Mit einem Auge auf dem Browserfester, dessen Inhalt langsamer aufgebaut wurde, als die Hamburger Elbphilharmonie, und einem auf dem Gebührenzähler des Einwahlprogrämmchens, surfte ich maximal eine Stunde pro Tag auf den Seiten meiner Lieblingsbands vorbei, guckte mir mies aufgelöste Schweinkrambilder an und klaute Musik bei Napster. Was man für die guten Noten eben so tat.

Und all das immer mit der Angst vor diesem einen Satz im Rücken: »Thomas? Geh mal aus dem Internet raus, ich will telefonieren!« Ganz schlimm war es, wenn ich eigentlich längst schlafen sollte, dann aber doch noch dieses eine Lied fertigladen musste, und dann hörte, wie unten der Telefonhörer abgehoben wurde. So was wie »Äääaaach!« vernahm ich noch, bevor, STAMPF STAMPF STAMPF, meine Mutter im Zimmer stand. »Du sollst doch schlafen! Das bezahlst du bald alles von deinem Taschengeld!« Die Drohung verpuffte natürlich, denn so viel Taschengeld bekam ich nie und nimmer. Außerdem zog wiederum »Mir fiel eben noch ein, dass ich ja was für die Schule nachgucken muss. Bin gleich fertig.« ganz wunderbar. Mein Vater dagegen ließ sich dieses eine Mal nicht besänftigen, als er bei Minusgraden in halbtrunkenem Zustand nach der Betriebsweihnachtsfeier frierend durch die Nacht irrte und gern abgeholt worden wäre, jedoch per Telefon nicht durchkam, weil der Sohnemann die Leitung fortwährend blockierte. Ja, es waren aufregende Zeiten voller Entbehrungen. Für den einen oder anderen.

Es war auch die Geburtszeit der Wikipedia und eine Zeit, in der sich digitale Lexika und Online-Artikel noch nicht bis zu den Lehrern herumgesprochen hatten. Wir druckten ganze Artikelserien samt der Bilder aus, klebten sie auf Wandzeitungen und kassierten die guten Noten dafür, während die ärmeren Kinder ohne Computer gnadenlos auf der Strecke blieben. Tja, wer hat, der kann. Das galt auch damals schon, insbesondere für Referate und Wandzeitungen.

Und dabei war die Online-Suche noch ziemlich rudimentär: Wenn die heiligen Herren des Index gewisse Seiten nicht sorgfältig von Hand eingepflegt hatten, dann fand man die eben auch nicht. Es war ein bisschen wie das Blättern im Quelle-Katalog: Was da nicht drin war, ließ sich ja auch nicht bei Quelle bestellen. Einige Suchmaschinen- und Versandhauspleiten später hat Google sich als Synonym für die Suche im Netz natürlich längst etabliert, aber der erste Besuch auf dieser gruseligen Suchmaschine, mit der man tatsächlich alles finden konnte, war schon ein Aha-Erlebnis.

Nach einer Stunde des gepflegten Surfens war es dann in der Regel auch vorbei. Klack machte das Modem, schon war ich wieder voll und ganz offline. Musste ich mich dann doch noch mal verbinden, drückte ich gern ein Kissen auf das Modem, damit meine Mutter den verräterischen Pfeifton nicht hören konnte. Und manchmal flog man auch einfach so aus dem Netz. Ein Horror, wenn dieser blöde Green-Day-Song noch nicht fertig heruntergeladen war! Außerdem wurde allein für die Einwahl von den meisten brauchbaren Call-by-Call-Providern eine Gebühr verlangt. Wie gesagt, zurecht pleite, die Bande. Irgendwann erklärte meine Mutter, Hüterin der Hauskasse, die Internetrechnung für zu hoch. Als ich vorrechnete, dass schnelles DSL, das es inzwischen gab, genauso teuer sei und man dann einfach immer im Internet sein könne, sagte sie überraschenderweise: »Na warum haben wir denn so was nicht schon längst?« Ich hielt kurz inne, realisierte diesen Satz und dachte: Daf if ja einfach!

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Sollte sich irgendwer wundern, weshalb hier jetzt alles  so anders ausschaut, dann, äh, weiß ich auch nicht. Ich habe ein kleines Facelifting vorgenommen, bzw. ist's eigentlich doch eher ein Stück weit rustikaler geworden. Die Rückbesinnung auf warme, leicht herbstliche Farben (gab's hier früher schon mal) war ein entscheidungstechnischer Schnellschuss, das geb ich zu, der mir aber gerade sehr gut gefällt. Gut, das Hintergrundbild mag auf großen Bildschirmen etwas suboptimal wirken, aber in Zeiten, in denen Computer immer kleiner und Mobiltelefone immer größer werden, geht das, denk ich, in Ordnung. Und warum eigentlich Kaffeebohnen? Tja, ich saufe genug von dem Zeug (Kaffee, nicht die Bohnen natürlich), so dass Kaffee sich wohl tatsächlich am ehesten mit meiner Wenigkeit assoziieren lässt.

Scheiße, jetzt ist es so weit: Ich bin im Raster! Ich bin so was von gerastert, ich könnte ausrastern! Nichtsahnend stehe ich heute Morgen am Flughafen Tegel, ausgestattet mit verklebten Augen und schaue aufgrund Kaffeemangels aus der Wäsche wie ein frisch aus der Hölle entschlüpfter Landurlauber, da zieht mich einer der gefühlt fünfzig Kontrolleure, die sich am Winz-Gate Nummer 11 zusammendrängen wie eine uniformierte Schafherde, zur Seite und bittet mich höflich, ihm zu folgen. Klar geht mir erst mal die Pumpe, als der aufgeweckte Herr sich mein Notebook krallt und in Richtung einer dubiosen Tür marschiert. Mit Knien aus Butter marschiere ich hinterher. Immerhin bin ich jetzt so was von wach und kann schon mal drüber nachgrübeln, was ich wohl ausgefressen haben mag: Illegale Pornos dürften keine auf der Platte liegen, also werde ich wohl beim Twittern die Klappe zu weit aufgerissen haben. Schon sehe ich Bekannte und Familie die Köpfe schütteln und einvernehmlich sagen, sie hätten ja schon immer gewusst, dass einer, der mit knapp 160 Zentimeter Körpergröße unter jedem Radar durchschlüpft, irgendwas ausgefressen haben muss.

»Keine Sorge, wenn Sie nichts zu verbergen haben, müssen Sie auch nichts befürchten«, flötet derweil der unverschämt gut gelaunte Kerl frisch aus dem Legokasten für Satzbausteine, während er noch immer mein Notebook vor sich her trägt wie einen fauligen Karpfen. Alter, weißt du, was ich alles zu verbergen habe? Zwei, drei Schokoriegel vom Arbeitgeber nicht bei der Steuer angegeben, die Tür nie geöffnet, wenn der Rundfunkspitzel auf der Matte stand, vorm Schloss Bellevue ins Gebüsch gepinkelt, und und und! Wenn sie mir jetzt nur die Finger brechen und die Nase abschneiden, kann ich wohl von Glück reden! Und dann … »Sprengstoffkontrolle« steht da auf einem kleinen Schildchen. Eine reichlich erkältete Dame schlurft röchelnd und hustend herbei, fährt mit einem Wattestäbchen über mein Notebook und gibt nach kurzer Analyse Entwarnung. Aha, kein Plutonium an Bord. Durch die Kontrolle muss ich trotzdem noch einmal, wer weiß schließlich, was ich unterwegs geklaut habe? Ist schon klar, mein klobiges Dienst-Notebook, ist natürlich eine verkappte Bombe. Einmal Strg, Alt und F6 gedrückt, schon kracht’s gewaltig im Karton. Big Bang! Und mittels weiterer Tastenkombinationen verwandelt sich das Ding wahlweise in ein Surfbrett oder ein Kilo Lembasbrot, das mich über Wochen bei Futter hält.

Wie aber auch könnte ich‘s den paranoiden Sicherheitsfanatikern hierzulande verdenken? Seit eine bärtige Bergziege namens Osama Bin Laden unbedingt New Yorks Skyline aufs Wesentliche reduzieren musste, wird aus Übersee vorgegeben, dass Terror und Verrat nicht nur vom sprengstoffgürtelbewehrten Turbanmullah ausgehen, der in krümeligen Internetvideos drohend den Wackelfinger hebt, sondern schon im heimischen Notebook anfangen.

Genau deswegen hat’s jetzt auch das Paralleluniversum World Of Warcraft erwischt. Wer die letzten zehn Jahre unter einem Stein verbracht hat, dem sei in Kürze gesagt, das ist ein Online-Computerspiel, in dem sich Nerds aus aller Welt Tag für Tag die Rübe einknüppeln, während sie vergessen, welche Jahreszeit draußen herrscht. Wie in solchen Metiers üblich, erfinden die Teilnehmer recht schnell eine, nun, etwas eigentümliche Sprache, die sich zumeist aus Abkürzungen, die niemand sonst versteht, und entsetzlichen Sprachverstümmelungen wie der hier zusammensetzt: »OMG!!!!! da war grad son mongo der hat mich gekillt als ich grad mit 5 mobs am popo grinden war!!!« Alles verstanden? Gut, ich auch nicht. Solchen Käse habe ich schon werktags von neun bis fünf um die Ohren, da brauch ich das nicht auch noch nach Feierabend. Ähnlich muss es wohl auch jedermanns Lieblingsorganisationen gleich nach dem Weihnachtsmann und seinen Wichteln, der NSA, sowie seinem kleinen britischen Wadenbeißer, dem GCHQ, gehen. Denn wie inzwischen bekannt ist, werden nicht nur Hinz und Kunz bis auf die getragenen Unterbuchsen ausgespäht, sondern auch vermeintliche Realitätsverweigerer mit defizitärem Sozialleben und minus zwanzig Dipotrien.

Man stelle sich diesen Irrsinn jetzt einfach mal vor: In der virtuellen Bar »Horki Ochsenstämmers Kartoffelküche« mitten im Zwergenstädtchen Ironforge sitzen der grimmige Blutelf Loki Latrine, der bis an die Zähne bewaffnete Zwergenpaladin Wonki Wurstgulasch sowie ein penetrant popelnder Level-70-Orc beisammen und palavern über den anstehenden 19-Uhr-Raid, die neue PlayStation, die Rolle der Frauen in Gildenführungspositionen und über dieses ominöse Real Life, von dem immer alle reden. Plötzlich ist da dieser zwielichtige Gnom am Nachbartisch, der ganz allein vor seinem Humpen hockt und versucht, nicht aufzufallen. Nicht zum ersten Mal, obwohl dem »Noob« doch erst kürzlich von dem genervten Dreier nebenan ordentlich der Arsch versohlt wurde. Der olle Gnom aber ist nicht etwa ein Loser aus der dritten Klasse, der keine Freunde hat und verzweifelt Anschluss sucht, nein, das ist James Bond. Richtig gelesen, James Bond! Der jettet nämlich gar nicht im Maßanzug um die Welt, schüttelt die Martinis und rührt die Frauen, nein, der hockt in Wahrheit als übergewichtiger Zwangsneurotiker in einem miefigen Kellerbüro ohne Fenster, quarzt den eigenen Blutdruck durch die Decke und hat nichts anderes zu tun, als jugendliche Spieler wie ehrbare Steuerzahler gleichermaßen im Feierabend zu belauschen – alles im Auftrag Ihrer königlichen Majonäse natürlich. Recht so, schließlich weiß man nie, wann aus so einer virtuellen Kriegsaxt eine ziemlich reale Kofferbombe wird. Die Übergänge sind ja durchaus fließend, wie allgemein bekannt ist. So könnte aus zünftigem Speed-Leveln in Azeroth schnell spaßiges Waterboarding auf Guantanamo werden.

So, und nun stelle man sich einfach mal den Barack Obama daneben vor, wie er da steht und nicht so recht über die ganze Sache lachen kann, weil er den Witz immer noch nicht verstanden hat. Wie war das noch? »Free at last!« … ach nee, das war ja ein anderer. Vielleicht sollte sich der erfolgreichste Afroamerikaner seit Bill Cosby und Tiger Woods von Obama in O’Brien umbenennen. Phonetisch ähnlich klingend würde Amerikas Strahlemann in korrekteres Orwellsches Licht gerückt. So betrachtet wirkt sein Amtsvorgänger, der nun in Holzfällerhemden durch Talkshows tingelt und den Portraitmaler mimt, wie der kauzige Opa, den ich nie hatte, und Nordkoreas Kim Jong-un wie ein romantisch kommunistisch verklärter Vernunftmensch mit Disney-Fimmel.

Spinne ich die Chose weiter, sehe ich schon vor mir, wie demnächst Otto Normalbürgers Webcamlämpchen aufflackert, während er gerade YouPorn schaut und die Piccoloflöte poliert, weil Übervater Uncle Sam nie weiß, wann der Rubbelmann das Zewas aus der Hand legt und stattdessen ein Dynamitstängchen dreht. Oder wie wäre es mit Spionagedrohnen im Klo, nur um sicherzustellen, dass der Eierleger vom Dienst während seines Geschäfts keine Uranzentrifugenpläne aus dem Spülkasten zerrt? Schwachsinn? Gut, das mit den Drohnen schon, aber dasselbe hätte vor ein paar Monaten für World Of Warcraft und Konsorten auch gegolten.

So geht es fröhlich weiter, während unsere geliebte Bundesregierung tut, was sie am besten kann: nämlich nichts. Bei diesem gewaltigen Ausmaß an Nichts fragt man sich unweigerlich, ob an solcherlei Kriecherattitüde eigentlich immer noch Adolf Hitler, der schnarchige Politikstil der Angela M. oder doch einfach nur der Dollar schuld ist. Das Resultat ist jedenfalls überflüssig wie ein Kropf. Könnte man auch auflösen, den desolaten Haufen. Am besten in Salzsäure.

Womit ich auch am Ende angekommen wäre, vielleicht ja ganz und gar, denn dieser Text strotzt derart vor Signalwörtern, dass ich gespannt bin, ob ich die Rückreise auch noch antreten darf oder vorsorglich lieber gleich an Ort und Stelle bei der Flughafenkontrolle gesprengt werde. Besser wäre es wahrscheinlich. Wer weiß, was ich sonst noch anstelle?

4 Kommentare

Weil ein etwa überenthusiastischer Sparfuchs meinte, er könne mal eben so ganz ohne Probleme den Webhoster wechseln, der deutlich günstiger ist als der alte, welcher mir per freudestrahlender Mail (Ja, Mails können das!) verkündete, ein Haufen Funktionen zusätzlich, die ich nicht brauche, wären diese eine kleine Preiserhöhung doch wohl wert - und vermutlich treiben sie sich damit selbst in den Ruin (Ahem!).

Nun, der Umzug jedenfalls, äh, hat ja auch geklappt. Irgendwie wenigstens. Vielleicht die Gelegenheit, mal ein wenig am Theme zu schrauben. Bis dahin sieht's hier jetzt erst mal aus, wie's eben aussieht. Dreck!